1900-1945 > Expressionismus Ernst Ludwig Kirchner - Biografie

Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938
Erna Schilling mit Kater Boby (Frau mit Katze). Um 1919.
Farbige Kreidezeichnung.
Rechts unten signiert sowie verso signiert. Auf chamoisfarbenem Velin. 41,3 x 56,2 cm (16,2 x 22,1 in), blattgroß.
Verso mit einer Zeichnung weiblicher Akte ("Badende", wohl die Modelle Erna und Gerda), Bleistift, um 1915. [CH].
• Ausgearbeitete, farbige Zeichnung mit besonders dichtem, dynamischem Strich.
• Beidseitig bemaltes Blatt: verso mit der Bleistift-Zeichnung zweier weiblicher Akte (um 1915).
• Ab 1917 zieht es Kirchner in die Schweiz, Davos wird später zur Wahlheimat des Künstlers und seiner Lebensgefährtin Erna Schilling.
• Kirchners ganz persönliche Lebenswelt: Als treuer Mitbewohner begleitet ihn Kater Boby bis zu dessen Tod 1930.
• Unmittelbare, spontane und doch treffende Niederschrift des Gesehenen und Erlebten.
Das vorliegende Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.
Wir danken zudem Herrn Prof. Dr. Dr. Gerd Presler für die Hinweise und die Unterstützung bei der Bearbeitung dieses Werkes.
PROVENIENZ: Wohl Galerie Valentien, Stuttgart (auf der Rahmenrückpappe mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Baden-Württemberg.
Privatsammlung Deutschland (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (wohl in den 1950er Jahren vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (2006 vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).
Vor seinem endgültigen Umzug in die Schweiz reist Ernst Ludwig Kirchner ab 1917 aufgrund seines gesundheitlichen Zustands mehrfach nach Davos, um sich dort unter anderem bei Dr. Frédéric Bauer, dem damaligen Chefarzt des Davoser Parksanatoriums, in Behandlung zu begeben. Auch den Sommer 1918 verbringt er in seinem Schweizer Sehnsuchtsort in den Bergen und mietet im darauffolgenden Winter schließlich das Haus "In den Lärchen" in Frauenkirch, in dem 1919 diese farbige Kreidezeichnung seiner handarbeitenden Lebensgefährtin Erna Schilling und des Katers Boby entsteht.
Kirchner schrieb in jenen Sommertagen: "Boby, der kleine Kater ist jetzt hier . Sauber und lebendig, eine recht interessante Gesellschaft. Ein Bild auf dem Teppich mit Katze, ein Akt schwebt mir vor, es muss eine feine Arbeit werden", und später: "Ich muss zeichnen bis zur Raserei, nur zeichnen. Dann nach einiger Zeit das Gute aussuchen. Die Technik [ist] zu schön. Boby und Mutterkatze gemacht." (E. L. Kirchner, 30.7.1919 und 4.8.1919, zit. nach: L. Grisebach, Kirchners Davoser Tagebuch, Wichtrach 1997, S. 40f.)
"Dieser Schaffensrausch entlädt sich zunächst in seinen Skizzenbüchern (vgl. Presler Skb 64-24,-25,-29), dann auch in dieser Zeichnung, die in wuchtigen Strichlagen die innere, schöpferische Energiedichte Kirchners versammelt." (Prof. Dr. Dr. Gerd Presler)
Großzügige, ausgearbeitete farbige Zeichnung in guter Erhaltung. Im Passepartout-Ausschnitt leicht gebräunt. Einzelne winzige punktuelle Braunfleckchen. Die untere Blattkante etwas unregelmäßig und mit kleinen Fehlstellen, sicherlich werkimmanent. Die linke untere Blattecke mit kreisrundem Papierausriss. An den Blattkanten und -ecken kleine Knickspuren und ganz vereinzelte fachmännisch geschlossene, kleine Einrisse. Ub der unteren Blattkante ein fachmännisch geschlossener Einriss (ca. 5 cm). Oberhalb davon ein weiterer kleiner, ebenfalls fachmännisch geschlossener Einriss (ca. 2 cm). Am oberen Blattrand verso mit den Rückständen einer früheren Montierung, das Papier recto dort etwas geblichen.
Nähere Informationen zum Zustand entnehmen Sie bitte der Großdarstellung / Abbildung Rückseite.